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SOLILOQUE SUR [X, X, X et X] (2002)


Selbstgespräch eines Computers über ein von ihm missverstandenes Konzert


Uraufführung : 6/07/02 & 7/07/02, Staatsbank und Parochialkirche, Festival Inventionen, Berlin
Auftragskomposition des Festivals Inventionen 2002.
score
(90 Sekunden Ausschnitt der Uraufführung – a 90 seconds excerpt of the premiere, start at 3'48")
tuba
Einen Komponisten komponieren.... SOLILOQUE pour [X, X, X et X] ist kein Stück im eigentlichen Sinne, eher eine Meta-Partitur, die der Computer in Echtzeit aus Auszügen der anderen Stücke des Konzerts generiert. Das heißt, dass das erzeugte Stück bei jedem Konzert anders und einmalig ist nicht nur, weil das Material, aus dem dieses Mosaik gebildet wird, auf Erinnerungen an die Klänge der anderen Stücke beruht, sondern auch, weil bereits die Organisation dieses Mosaiks ihrerseits funktionell bestimmt ist von den Parametern, die sich aus der Analyse der Samples ergeben haben.

Es geht nicht darum, die anderen Stücke des Konzertes zu zitieren oder zu erkennen (die jeweils benutzten Ausschnitte, die nicht länger als 20 Sekunden sind, bestehen zum Beispiel aus einem Akkord, mal aus einer Geste, mal aus einem Instrumententon), sondern darum, den Geist und die Farbe jener Ausschnitte zu erfassen, und auf ihrer Analyse eine Grammatik zu begründen. Weiterhin geht es auch nicht darum, jedes Mal ein komplett neues Stück zu generieren, sondern jeweils dieselbe musikalische Sprache umzusetzen: meine. Der Interpret des Stückes ist der Kontext des jeweiligen Konzertabends.

Im Rahmen dieses Projekts eines kontextabhängigen Meta-Werks konnte ich die Kompositions-Techniken meiner früheren Instrumentalwerke weiterentwickeln und auf eine abstrakte Ebene heben, Techniken, die sich nicht aus einer abstrakten Zeichengrammatologie ableiten, sondern aus der Realität des klanglichen Phänomens. Tatsächlich bearbeiten diese Techniken nicht die klassischen Parameter Rhythmus, Tonhöhe und Klangfarbe, wie sie sich aus der Gestaltungsweise der westlichen Kunstmusik ableiten lassen, sondern vielmehr die akustischen und elektroakustischen Parameter des Klangs : hier geht es darum, Kompositionstechniken zu entwickeln, die sich nicht auf Tonhöhen, sondern auf Klangobjekte beziehen; nicht auf Rhythmen, sondern auf Auslesepositionen und -dauern; nicht auf Intervalle, sondern auf Auslesegeschwindigkeiten, nicht auf Klangfarben, sondern auf Intensitäten, Filterung und Räume.

Das vorliegende Projekt einer kontextualisierten Meta-Partitur befindet sich noch im Versuchsstadium; es wurde ausschließlich mit der Software SuperCollider programmiert mit allen Möglichkeiten und Beschränkungen, die dieses Instrument bietet; und mit der wertvollen Hilfe von Thomas Seelig als musikalischem Assistenten und Thomas Noll (Mathematiker) für die Berechnung der Vuza-Kanone.

Programmtext des Festivals Inventionen 2002


SOLILOQUE ABOUT [X, X, X and X]


Musical commentaries from a computer about a concert misunderstood from him;



Premiere of Soliloque about Francesco, Emanuele, Agostino et Nicolas, Musical Commentaries from a Computer about a Concert misunderstood from him, Creation : 6/07/02 & 7/07/02, Staatsbank and ParochialKirche, Festival Inventionen, Berlin. Commissioned by the Festival Inventionen.

To compose a composer... SOLILOQUE about [X, X, X et X] is not exactly a work, but more a meta-score, that the computer generates in real-time from the analysis and from abstracts from the other pieces of the concert. It means that for every concert, the generated work is different, not only because the material, which constitutes this mosaic, is done from the remaining of the sonorities of the other pieces, but also because the organization of this mosaic is also made in function of the parameters calculated from the analysis of the samples.

The goal is not here to quote and to recognize the other works of the concert (the abstracts, which are no longer than twenty seconds, are made with a chord here, a signal there, etc..). It is more to keep the spirit and the color of those abstracts, and to generate from that a grammar. The goal is neither to generate every time a different work. The Principe of the grammar are always the same, mine, without any random Principe. It is more to "interpret" the piece with a context.

This project of a meta-work happening with the context has allowed me to develop further and more abstractly some techniques of composition that I was using in my instrumental work,techniques issued not from an abstract grammatology on sign, but from the reality of the sonore phenomenon. Indeed, those techniques are not operating on traditional parameters of rhythmus, tones, and nuances, but on acoustical and psychoacoustical parameters of the sound : Here, the techiques are elaborated not on tones but on soundobjects, not on rhythmus but on position of reading and of duration, not on intervals but on speed of reading, not on nuances but on intensity, filtering and spaces.

This project of contextual meta-score has been entirely written with the software Super Collider, with the possibilities and constraints that this "instrument" is proposing, and with the precious help of Thomas Seelig, musical assistant, and of Thomas Noll, mathematician (Calculation of the Vuza canons).

Program Note of the festival Inventionen 2002

More info (also in french) on Fabien Levy's website.

Standalone Supercollider application download:
Soliloque

Info:
http://www.fabienlevy.net/Compositions/SOLILOQUE.html